Es muss ca. 4 Uhr morgens gewesen sein. Ganz genau konnte er sich heute nicht mehr erinnern, denn es war eine lange Nacht gewesen. Zuerst waren sie in der Innenstadt in einer Kneipe gewesen, hatten sich unterhalten und Bier getrunken. Spaeter sind sie dann alle zusammen noch tanzen gewesen. Viel zu lange war er schon nicht mehr in einem richtigem Klub gewesen und hatte sich der Musik hingegeben. Geniessen, wie die tiefen Baesse jedes Haar einzeln aufstellen und sich danach die Haare zu den Takten der Hoehen wieder legten. Doch auch diese Woche war anstrengend auf Arbeit gewesen und langsam ueberkam ihn doch die Muedigkeit und er machte sich als erster aus der Gruppe auf den Weg nach Hause.
Im Prinzip war es nicht weit nur ca. 30 Minuten mit dem Nachtbus fahren und dann nochmal ca. 10 Minuten Fussweg bis er vor der Tuer seiner Wohnung stand. Alles in allem fuer Berliner Verhaeltnisse vollkommen machbar und unproblematisch. Als er den Klub verliess war er zuerst erstaunt. Anscheinend hatte es in der Nacht gewittert und das nicht zu knapp, auf den Strassen lagen viele noch fruehlingshaft gruene Blaetter und Aeste. Noch war die Strassenreinigun nicht gekommen um die Unordnung zu beseitigen, doch er war sich fast sicher, dass morgen niemand mehr die Spuren des Gewitters in dieser Nacht sehen wuerde. Der Anschluss mit dem Bus gelang super und er musste nichteinmal mehr 10 Minuten warten bevor er sich fuer die naechsten 30 Minuten einfach nur ausruhen konnte.
Als er dann aus dem Bus stieg, war die Sonne schon ein wenig hoer gestiegen, nicht das sie die Horizontlinie schon passiert haette, doch das konnte nicht mehr lange dauern und so waren die Strassen in einen difuses Licht aus dunkel und hell getaucht. Die letzten dunkelblauen Gewitterwolken waren noch am Himmel zu sehen, doch auch diese befanden sich nun auf dem Heimweg und zeigten so nichts mehr von der Schaerfe, die das Gewitter in der letzten Nacht gehabt haben musste. Der einzige Unterschied war, dass die Kante zwischen den sehr dunklen Gewitterwolken und dem blauen Himmel aussergewoehnlich scharf verlief. Da die Wolken auch nach Osten hinzogen, wuerde sich der Sonnenaufgang wohl um einige Minuten verzoegern dachte er, dann jedoch wuerde es wohl umso schoener werden.
Nachdem er die Hauptstrasse hinter sich gelassen hatte und tiefer in sein Wohngebiet eindrang, genoss er wiedereinmal die Ruhe, die diese Gegend am Morgen ausstrahlte, noch war kein Mensch auf der Strasse unterwegs, die Voegel waren ruhig und nur die Blaetter raschelten ein wenig im Wind. All das wuerde sich in den naechsten zwei Stunden aendern, wenn die Natur und der Mensch zu gleich erwachten, die ersten Autotueren zugeschlagen wurden und die Voegel sich zum Balzgesang in den Baumkronen trafen.
So passierte er gedankenverloren die Haueser seiner Strasse, allesamt Altbauten aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts mit typisch verschnoerckelten Fassaden und aussergewoehnlich hohen Decken. Er naeherte sich mit schnellen Schritten dem Hausaufgang seines Wohnhauses, als er aus dem Augenwinkel ein warmes Leuchten wahrnahm. Es war kein Licht eines Hausflures, vielmehr war es ein natuerliches Licht, doch es fuegte sich nicht in die Umgebung ein. Die Haueser in seiner Strasse standen dicht beieinander und die Strasse war relativ schmal und mit hohen Baeumen gesaeumt. Hier war es eindeutig wesentlich dunkler. Er ging auf die andere Strassenseite in Richtung des Leuchtens, das eindeutig aus einem Hofeingang kam.
Die Tuer zum Hof war nur angelehnt. Er oeffnete sie und trat ein. Die alten Mauern des Hauses rochen nach frischem Regen und es war noch ein anderer Geruch in der Luft, er konnte es im Moment einfach nicht einordnen, also beliess er es dabei. Das Licht wurde immer heller, wie er in den Hof kam. Er fragte sich schon, was das wohl sein koenne, UFOs wuerden ja nicht direkt in Berlin-Neukoelln landen, sonder wohl eher den wenige hundert Meter entfernten Flughafen Tempelhof auswaehlen. So ein Unsinn, dachte er bei sich. Kaum hat man zu wenig Schlaf und ist einfach nur Muede wird der Gesit empfaenglich fuer derartigen Unsinn. Natuerlich muss es eine logische Erklaerung fuer das Licht geben. Als er direkt in den Hof trat musste er schmunzeln und sofort wurde ihm klar, was der Geruch gewesen ist, den er vorhin gerochen hatte – Gegrilltes. Ein Bild der Verwuestung oeffnete sich ihm. In der vergangenen Nacht musste hier wohl eine grosse Grillfeier stattgefunden haben, die dann aber wegen dem starken Gewitter kurzfristig abgebrochen werden musste. Auf dem Hof verstreut lagen diverse Servietten, Tischdecken, Plastikbesteck und Muelltueten herum. Direkt neben leeren Bierflaschen und umgekippten Klappbaenken.
Der Sturm hatte auch einen Pavillion umgerissen, der nun Kopfueber auf dem Boden lag, der starke Regen hatte diesen mit Wasser gefuellt und damit auf dem Boden gehalten. Direkt ueber dem Hof riss aber die Wolkendecke auf und die morgendliche Sonne brach durch die Wolken. Die Strahlen trafen dann dort auf das sich im Paviliondach gesammelte Wasser und warfen es auf eine kaputten Kleiderspiegel, der am Eingang des Hofes stand. Dieser wiederum reflektierte das Licht in den Hofeingang in Richtung der Strasse. Der gesamten Szenerie wurde durch die morgendliche Sonne und die sie umgebene dunklen Wolken eine Art Heiligenschein verliehen.
So ein Unsinn von wegen unerklaerliche Phaenomene und Gotteserscheinungen, oder weiss sonstwer woran sein mueder Geist gedacht hatte als er das Licht zum erstenmal sah. Der einzige Gott, dem hier gehuldigt wurde, war der des Bieres und des Grillfleisches, doch dieser war mitten in der Nacht verschwunden. Er ging wieder zurueck zur Strasse und zog die Hoftuer hinter sich zu. Manchmal schafft es die Natur einen mit den einfachsten physikalischen Tricks zu ueberlisten. Zeit das ich ins Bett komme, dacht er sich.